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BALLETT GALA

Badisches Tagblatt, Christiane Lenhardt, 01.06.2018

Karlsruher Ballett Gala glänzt mit Stars von Stuttgart bis Miami und mit Bubeníčeks Duell

Die Ballett Gala war Höhepunkt der beeindruckenden, kräftezehrenden elften Karlsruher Ballettwoche. Das Badische Staatsballett hat an fünf Abenden hintereinander nicht nur in großen Handlungsballetten seine Stärken präsentiert, sondern auch noch frisch und strahlend seine Vielseitigkeit in zwei Uraufführungen und zwei Premieren unter Beweis gestellt – ein enormes Leistungsspektrum mit großen Gesten, starken Gefühlen und hohem Tempo. Den festlichen Abend begleitete die Badische Staatskapelle abwechselnd unter der Leitung von Dominic Limburg und Daniele Squeo. Und die Karlsruher Pianistin Angela Yoffe war als einfühlsame Begleiterin etlicher Stücke wohl am meisten auf der Bühne.

Bei der Gala am Samstagabend im Großen Haus des Badischen Staatstheaters umrahmte die Karlsruher Compagnie wieder einen Reigen internationaler Gastsolisten von Stuttgart, Zürich, Dortmund, Berlin, aus Tschechien, Amsterdam, vom Estnischen Nationalballett und aus dem Miami City Ballet. Im Mittelpunkt standen furiose Pas de deux, auch anspruchsvoller klassischer Rollen, aber vor allem moderne dramatische Paartänze. Gäste wie Otto Bubeníček, einst Starsolist des Hamburg Balletts, jetzt hat er zusammen mit seinem Bruder Jiří Bubeníček ein freies Ensemble (beide inszenierten das Rusalka-Ballett für Karlsruhe), haben gezeigt, wie weit das Bewegungsvokabular des Spitzentanzes und die klassische Ballettsprache dehnbar und modernisierbar sind, ja sogar wie kampfeslustig. Otto Bubenicek legte mit seiner "Sparringspartnerin" Veronika Kornová in Intimate Distance ein leidenschaftliches Paarduell zwischen Anziehungs- und Abstoßungskräften hin. Sie rangen so elegant wie energiegeladen miteinander, mit geballter Wucht, raubtierhafter Wendigkeit, verletzbar und berührend.

Die von tragisch bis elegisch konnotierten Paarbeziehungen durchdrungene Gala bot jungen Choreografen eine große Plattform: so auch in Two and only mit Marijn Rademaker und Timothy van Poucke vom Het Nationale Ballet aus Amsterdam, begleitet wurden sie von dem Gitarristen Michael Benjamin und seinen berührenden Songs im Dylan-Stil. Das Duett für zwei Tänzer von Wubkje Kuindersma ist physisch präsentes Beziehungsdrama und auch eine Liebeserklärung an den von ungewöhnlichen Hebefiguren geprägten Gegenwartstanz.

Zwischen dem pirouettenseligen Ensemblestück Rachmaninoff 2.3 von Jonathan dos Santos, uraufgeführt vom Badischen Staatsballett, dem geschmeidigen Solo Red with me (Jorma Elo) mit Alena Shkatula aus Estland, einem eleganten Raymonda-Pas-de-deux nach Petipa mit den Karlsruher Solisten Bruna Andrade und Zhi Le Xu kam die Leichtigkeit der großen, alten amerikanischen Filmära gerade recht: Tricia Albertson und der Österreicher Rainer Krenstetter aus Miami schwelgten durch die Choreografie von George Balanchine The man I love zur Musik von Gershwin, als würden Fred und Audrey gerade zu "Tiffanys" zum Frühstück aufbrechen.

Und beschwingt hat das Badische Staatsballett den Faden wieder aufgenommen in Thiago Bordins neuer Choreografie Episoden zur Musik von Robert Schumann. Unter einer funkelnden Milchstraße entfachten sie einen Tanz der Sternbilder in galaktischen Pas de deux. Neben der melodramatischen Paarepisode von Maaleene D. im Strandlook (Iana Salenko und Marian Walter) und dem eher knappen Paartanz Penumbra der jetzt für Dortmund auftretenden, ehemaligen Solisten des Bayerischen Staatsballetts, Lucia Lacarra und Marlon Dino, sorgten die Stuttgarter für hohen Überraschungsfaktor.

Das von der Malerei des russischen Avantgardekünstlers Kasimir Malewitsch inspirierte Ballett Kazimir's Colours führt abstraktes Bewegungsvokabular ins Expressive. Alicia Amatriain, geführt von einem machtvoll agierenden Friedemann Vogel, trieb darin Mauro Bigonzettis Choreografie mit manisch überdrehtem Körper, hohlkreuzig und feinfühlig ausbalanciert in die Extreme – wie eine Schmerzensfrau.

Und damit die Gala voller komplexer Beziehungen nicht erdenschwer ende, gab es noch Christian Spucks Ballettparodie mit ihrem gediegenen Titel Grand Pas de deux zur Musik von Rossini. Sie ist schon ein moderner Klassiker, den auch das Mariinsky-Ballett aufführt. Die strengen Ballettattitüden werden darin auf die Schippe genommen, denn die Ballerina läuft ein wenig neben der Spur, weil sie immer ihr Handtäschchen im Blick behält. Elisa Badenes mit Sekretärinnenbrille und komischer Begabung vom Stuttgarter Ballett und ihr Partner Alexander Jones, den Spuck aus seinem Züricher Ballett entsandte, sorgten damit ganz formvollendet, aber mit vielen Gags für einen heiteren Schlussakkord.

 

BNN, Susanne Schiller, 22.05.2018

Die Ballettgala am Badischen Staatstheater, traditioneller Abschluss der das aktuelle Repertoire präsentierenden Ballettwoche, versprach große Namen mit vorzugsweise Stuttgarter Provenienz: Friedemann Vogel (Erster Solist), die Spanierin Alicia Amatriain als seine Partnerin, und Mariijn Rademaker, einstiger Stuttgarter und heute Principal am Het Nationale Ballet in Amsterdam. Doch bevor diese bekannten Interpreten die Bühne betraten, sorgten viele andere Gäste, etwa aus Tallinn, Miami, Berlin oder Prag größtenteils für Begeisterung. Dem gastgebenden Badischen Staatsballett oblag auch ein gewichtiger Teil der tänzerischen Abfolge. Die Compagnie unter Birgit Keil griff dabei nicht auf Bewährtes zurück, sondern studierte gleich mehrere neue Stücke ein, darunter zwei Uraufführungen: Rachmaninoff 2.3 von Nachwuchschoreograf Jonathan dos Santos, Mitglied bei Gauthier Dance, und Episoden von Thiago Bordin, einst Stipendiat der Tanzstiftung Birgit Keil und später Mitglied des Hamburger Balletts. Beide bedienten sie sich einer überaus anspruchsvollen, zeitgemäßen Tanzsprache auf klassischer Basis. Dos Santos konterkarierte mit den Karlsruhern einfallsreich die klassische Schule, Bordin hingegen schichtete die Tanzszenen vom Bühnenhintergrund bis an die Rampe mit einer effektvollen Lichtinszenierung. Eine Premiere für die Karlsruher Tänzer war Kenneth Mac Millans Concerto nach Schostakowitsch … Konkurrenz mit den Gastsolisten und ihren Pas de deux nahmen Bruna Andrade und Zhi Le Xu mit einem Ausschnitt aus Raymonda auf. Sie konnten sich damit mehr als sehen lassen . . .
Alena Shkatula vom estnischen Nationalballett bestach . . . mit ihrem Solo Red with me, das beweist, dass eine zeitgenössische Ballerina Hosen trägt und für sich stehen kann. Sie knüpft damit an einen der stärksten Momente des Abends an, der von dem Hamburger Startänzer Otto Bubeníček und seiner Partnerin Veronika Kornová beigesteuert wurde. Nach einer Choreografie von Bruder Jiří Bubeníček zeigten die erfahrenen Darsteller ihr Pas de deux Intimate Distance, das weit entfernt ist von romantischer Gefühlsduselei, sondern vielmehr die in eine eindrucksvolle Körpersprache übersetzte Auseinandersetzung der Geschlechter dokumentiert.

Ein Pas de deux darf auch Mann mit Mann sein und dazu noch ein Mann an Klavier und Gitarre: Marijn Rademaker und Timothy van Poucke aus Amsterdam sorgten für das außergewöhnlichste Stück des Abends, das nicht nur von der körperlichen Ausdruckskraft der beiden Solisten lebte, sondern auch von der authentischen Musik von Michael Benjamin, der mit auf der Bühne war und die Emotionalität verstärkte . . .

Elisa Badenes vom Stuttgarter Ballett und Alexander Jones (Zürich) zeigten Christian Spucks Grand Pas de deux nach Rossini, das Ballettschmankerl mit der kurzsichtigen Ballerina, das gerade bei keiner Gala fehlen darf. … Zweifellos brillant: Alicia Amatriain und Friedemann Vogel in Kazimir‘s Colours. Hier verband sich genial die Eleganz und Kraft der Darsteller. Die Berliner Iana Salenko und Marian Walter tanzten traumwandlerisch schön in Maaleene D. und die Dortmunder Gäste Lucia Lacarra und Marlon Dino ergänzten dies mit statuarischer Macht und graziler Leichtigkeit.

Ein wahres Mammutprogramm war für alle bei der Gala zu absolvieren. Dies betraf auch die Badische Staatskapelle unter der abwechselnden Leitung von Dominic Limburg und Daniele Squeo. Hervorzuheben sind dabei die Solisten am Flügel, an der Violine und dem Cello, die auf der Bühne der Tänzer waren: Angela Yoffe, Janos Ecseghy und Thomas Gieron.

 

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